30. August 2026; Gottesdienst im Alten- und Pflegeheim Christoph-Blumhardt-Haus
1. Johannes 4,7–12
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Anspiel zu 1. Johannes 4,7–12
Personen:
- Sabine, Pflegefachkraft
- Miriam, Kollegin
Requisiten:
- Wäschekorb oder Pflegemappe
- Tasse Kaffee
(Die beiden treffen sich auf dem Flur oder im Aufenthaltsraum. Beide wirken, als hätten sie einen anstrengenden Dienst.)
Sabine: Puh … heute ist wieder einer von diesen Tagen.
Miriam: Oh ja. Ein Zimmer nach dem anderen. Klingeln ohne Ende. Es ist immer ganz schön was los – aber dafür wird es nie langweilig.
Sabine: Ja, das hast Du recht. Aber manchmal wünsche ich mir mehr Zeit für unsere Bewohner. Neulich habe ich mich ein paar Minuten zu Frau Meier gesetzt.
Miriam: Wirklich? Du hast dir Zeit genommen?
Sabine: Ja. Ich dachte erst: Dafür habe ich jetzt wirklich keine Zeit. Aber als ich ihre Hand genommen habe, fing sie an zu lächeln.
Miriam: Manchmal brauchen Menschen gar nicht viele Worte.
Sabine: Genau. Sie sagte nur: „Danke, dass Sie kurz geblieben sind.“
Miriam: Weißt du, manchmal frage ich mich, ob das überhaupt etwas verändert.
Sabine: Das frage ich mich auch. Wir können Krankheiten nicht wegzaubern. Wir können das Alter nicht aufhalten.
Miriam: Aber Einsamkeit… die können wir manchmal ein kleines Stück kleiner machen.
Sabine: Ja. Und ich glaube, genau das ist Liebe.
Miriam: Neulich habe ich in der Bibel gelesen: „Lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist von Gott.“
Sabine: Das steht doch im ersten Johannesbrief, oder?
Miriam: Ja. Und dann heißt es weiter: Gott hat uns zuerst geliebt. Deshalb können wir Liebe weitergeben.
Sabine: Das finde ich schön. Denn manchmal denke ich: Meine Kraft reicht gar nicht aus.
Miriam: Meine auch nicht. Aber wenn Gottes Liebe die Quelle ist, dann müssen wir sie nicht selbst herstellen.
Sabine: Dann beginnt Liebe schon mit kleinen Dingen.
Miriam: Ein freundliches Wort.
Sabine: Ein ehrliches Zuhören.
Miriam: Eine Hand, die Halt gibt.
Sabine: Ein Lächeln.
Miriam: Genau. Johannes schreibt sogar: „Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns.“
Sabine: Das bedeutet doch: Menschen können durch unsere Liebe etwas von Gott erleben.
Miriam: Ja. Vielleicht sehen sie Gott nicht mit den Augen – aber sie spüren seine Liebe durch Menschen.
Sabine: Dann ist unsere Arbeit viel mehr als Waschen, Medikamente geben oder Betten machen.
Miriam: Dann dürfen wir Gottes Liebe weitergeben – jeden Tag, oft in ganz kleinen Gesten.
Sabine: Und weißt du was? Das gilt nicht nur für uns Pflegerinnen.
Miriam: Sondern für jeden Menschen.
Sabine: Ein freundliches Wort kostet nichts.
Miriam: Aber es kann für einen anderen unbezahlbar sein.
(Beide schauen sich an und lächeln.)
Beide gemeinsam zu allen:
„Lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist von Gott.“
(Ende.)
Predigt zu 1. Johannes 4,7–12
Liebe Gemeinde,
eben haben Sabine und Miriam miteinander gesprochen. Über Pflege, über Zeit, über eine Hand, die Halt gibt. Und sie haben einen wichtigen Satz gesagt:
„Wir können Einsamkeit manchmal ein kleines Stück kleiner machen.“
Ich glaube, darin steckt schon sehr viel von dem, was uns unser Bibelwort heute sagen möchte. Überschrieben ist der Bibeltext mit den Worten:
Die Liebe Gottes und die Liebe untereinander
7 Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott. 8 Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. 9 Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 10 Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. 11 Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. 12 Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
Liebe ist von Gott. das ist entscheidend. Denn wenn wir nur hören: „Du sollst lieben“, dann kann daraus schnell eine neue Aufgabe werden. Ich muss freundlicher und geduldiger sein. Ich muss vergeben oder mich mehr um andere kümmern. Und irgendwann merken wir: Dafür reicht meine Kraft nicht immer. Wir wollen geduldig sein und sind es trotzdem nicht. Wir wollen vergeben und können es nicht. Wir wollen einen Menschen lieben – aber manchmal macht gerade dieser Mensch es uns sehr schwer.
Johannes schreibt weiter: „Darin besteht die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat.“ Das ist vielleicht einer der tröstlichsten Sätze der ganzen Bibel. Bevor wir nach Gott gesucht haben, hat Gott nach uns gesucht. Bevor wir etwas für ihn tun konnten, hat er uns angenommen. Bevor wir etwas leisten konnten, waren wir schon seine geliebten Menschen. Wir leben in einer Welt, in der unser Wert so oft mit dem verbunden wird, was wir können. Solange wir arbeiten, sind wir gebraucht. Solange wir fit sind, können wir selbstständig sein. Solange wir anderen helfen können, fühlen wir uns wertvoll. Aber irgendwann verändert sich das. Die Kräfte lassen nach. Man braucht Unterstützung. Da kann eine schmerzhafte Frage entstehen: „Was bin ich eigentlich noch wert?“ Die Antwort des Evangeliums lautet: Du bist wertvoll, weil Gott dich liebt. Dein Wert bei Gott beginnt nicht mit deiner Leistung und endet nicht mit deinen nachlassenden Kräften. Gottes Liebe kennt kein Alter. Sie wird nicht weniger, wenn wir weniger können.
Ich habe einen Gedanken von Christoph Blumhardt (der Jüngere) mitgebracht, nachdem unser Haus hier genannt ist. Er sagte: „Mache nicht abhängig deinen Glauben, deine Liebe, deine Hoffnung, deine Geduld, deine Demut von dem, was um dich hervorgeht. Sei abhängig von den großen, starken Kräften, die ausgehen vom lebendigen Gott.“
Ich finde, das ist ein Satz, den wir uns alle zu Herzen nehmen können, denn was um uns herum geschieht, verändert sich ständig. Unsere Gesundheit verändert sich, die Familie und Freundschaften verändern sich. Manche Menschen, die uns ein Leben lang begleitet haben, sind nicht mehr da. Auch unsere Kirche verändert sich. Und manchmal verändert sich sogar unser eigenes Bild von uns selbst. Aber Blumhardt sagt: Mach deinen Glauben nicht davon abhängig, was um dich herum geschieht. Denn hinter allem, was sich verändert, steht einer, der bleibt: Gott. Seine Liebe ist größer als unsere wechselnden Gefühle.
Und nun kommt der zweite Teil unseres Bibelwortes: „Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben.“ Jetzt kommt die Nächstenliebe ins Spiel. Aber auch hier ist wichtig: Wir müssen und können die Welt nicht retten. Wir können nicht alle Probleme lösen, Krankheit nicht wegnehmen oder das Alter aufhalten, aber wir können für andere da sein. Und manchmal ist „Da-Sein“ eine der größten Formen der Liebe.
Gott ist Liebe und er hat uns zuerst geliebt. Das ist der Anfang und alles andere kommt danach. Unsere Nächstenliebe ist die Antwort auf Gottes Liebe. Wir lieben, weil wir geliebt sind. Wir vergeben, weil uns vergeben wurde. Wir trösten, weil wir selbst getröstet worden sind. Wir reichen eine Hand, weil Gott unsere Hand hält.
Wenn wir Gottes Liebe in uns aufnehmen und weitergeben, dann können wir Lichtstrahlen in dieser Welt sein. Dann sind wir alle geliebte Menschen und das strahlt aus. Frau Berger hat für diesen Gottesdienst Karten mit Herzen gebastelt. Vielen Dank dafür! Besser kann Liebe nicht sichtbar werden.
Amen
Gabriele von Dressler
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