Predigt am 23. August 2026 · 12. Sonntag nach Trinitatis
Predigttext 1. Kor. 3, 9-17
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Liebe Gemeinde, manchmal reicht ein kurzer Blick auf eine Baustelle, um etwas Wichtiges über das Leben zu verstehen. Da steht vielleicht noch kein fertiges Haus. Man sieht Erde, Beton, Stahl, vielleicht Lärm, Dreck und offene Gruben. Noch keine Gardinen, kein Licht in den Fenstern, keine Blumen vor der Tür. Und doch entscheidet sich in dieser frühen Phase schon fast alles. Denn bevor man schön wohnen kann, muss das Fundament gelegt werden und tragen. Genau davon spricht Paulus im 1. Korintherbrief. Wir hören den Predigttext:
Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.
Paulus schreibt: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Das ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Unser Glaube lebt nicht von schönen Gefühlen, auch nicht von Tradition allein oder gar unserer Leistung. Und schon gar nicht von dem, was wir vorzeigen können. Unser Glaube lebt aus Jesus Christus. Leider sieht man das Fundament nicht mit bloßem Auge – aber es trägt uns. Bei einem Haus bewundert man später oft das Sichtbare: die Fassade, die Fenster, das Dach. Ich habe noch niemanden gehört, der gesagt hat: „Was für ein großartiges Fundament!“ Denn das liegt verborgen. Und doch trägt es alles. So ist es auch im Glauben. Vieles in unserem Leben ist sichtbar: unser Alltag, unsere Entscheidungen, unsere Worte, unser Umgang mit anderen, unsere Freude und auch unsere Sorgen. Aber darunter liegt etwas Tieferes. Die Frage ist nicht nur: Wie sieht mein Leben aus? Sondern: Worauf baut mein Leben auf?
Paulus sagt: Wenn Christus nicht das Fundament ist, dann kann das ganze Gebäude zwar eine Weile ordentlich aussehen – aber es wird nicht wirklich tragen. Das kennen wir auch heute. Menschen bauen auf vieles: auf Erfolg, Anerkennung, Gesundheit, Besitz, Selbstkontrolle, und auf den Eindruck, alles im Griff zu haben. Das alles mag wichtig sein. Aber nichts davon hält für immer. Ein Anruf kann kommen und eine Diagnose kann alles verändern. Eine Beziehung kann zerbrechen. Ein Arbeitsplatz kann wegbrechen und eine Krise kann uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Dann zeigt sich, worauf wir gebaut haben. Jesus Christus ist nicht nur ein schöner Zusatz in unserem Leben. Er ist nicht die Dekoration im Wohnzimmer des Glaubens. Er ist das Fundament. Wenn alles andere wankt, bleibt er. Wenn wir selbst nicht mehr tragen können, trägt er uns. Paulus formuliert sehr klar: Der Grund ist schon gelegt. Das ist eine große Entlastung. Wir müssen das Fundament nicht selbst herstellen. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen. Wir müssen uns nicht mühsam einen Halt zusammenbauen. Das Fundament ist gelegt – in Jesus Christus.
Das heißt: Gott hat schon gehandelt, bevor wir überhaupt angefangen haben zu planen und zu bauen. In Jesus kommt Gott uns entgegen. In seinem Leben sehen wir Gottes Liebe und in seinem Kreuz sehen wir, wie weit diese Liebe geht. In seiner Auferstehung sehen wir, dass Schuld, Tod und Hoffnungslosigkeit nicht das letzte Wort haben. Das Fundament unseres Glaubens ist also nicht: „Ich strenge mich an.“ oder: „Ich bin ein guter Christ.“ oder: „Ich zweifle nie.“ Es ist Jesus Christus, der für mich da ist und der bleibt. Und das ist wichtig, denn viele Menschen leben mit einem inneren Druck: Bin ich gut genug? Glaube ich genug? Bete ich genug? Reicht mein Vertrauen aus? Paulus sagt. „Das Fundament ist schon da.“ Der Glaube beginnt mit Gottes unerschütterlicher Treue zu uns.
Nun hört Paulus nicht beim Fundament auf. Er sagt auch: Auf dieses Fundament baut jeder weiter. Mit Gold, Silber, kostbaren Steinen – oder mit Holz, Heu und Stroh. Zwei Häuser können auf demselben Grundstück stehen – aber sie sind nicht gleich gebaut. Da gibt es Dinge, die tragfähig sind. Und andere, die schnell und billig wirken, aber nicht standhalten. Was bedeutet das für unser Leben? Wer auf Christus gegründet ist, baut sein Leben nicht irgendwie. Da kommen Entscheidungen ins Spiel wie z. B.: Wo setze ich meine Prioritäten, wie gehe ich mit Geld um, mit meiner Zeit oder mit Macht und Ehrlichkeit? Gebe ich Gott Raum in meinem Lebenshaus? Wie also baue ich auf weiter? Man kann Christ sein und trotzdem manches mit sehr schlechtem Material bauen. Man kann im Glauben leben und doch Dinge ansammeln, die vor Gott keinen Bestand haben: Stolz, Härte, Eitelkeit und Lieblosigkeit. Von außen kann manches beeindruckend und prächtig aussehen. Aber Paulus sagt: Es wird ein Tag kommen, da wird das Feuer prüfen, was unser Leben wirklich wert ist. Feuer bringt ans Licht, was trägt und was verbrennt. Das klingt ernst und das ist es auch. Gott nimmt unser Leben wichtig. Er sagt nicht: „Es ist egal, wie du lebst.“ Nein, es ist nicht egal, wie wir bauen.
Wer ein Haus bauen will, kennt die Versuchung: Es soll schnell gehen, günstig sein, unkompliziert. Vielleicht hier ein Kompromiss, dort ein minderwertiges Material, da ein bisschen Pfusch, den man später schon nicht mehr sieht. Aber gerade das, was man „später schon nicht mehr sieht“, kann gefährlich werden.
Auch im Glauben gibt es diese Versuchung. Wir wünschen uns manchmal ein bequemes Christsein. Ein bisschen Trost, ein bisschen Segen, ein bisschen Religion für schöne Momente – aber bitte ohne tiefe Veränderung und Umkehr, Geduld oder Hingabe. Doch der Glaube an Jesus ist kein Fertighaus, das man an einem Wochenende aufstellt. Ein Leben mit Christus wächst und wird in vielen kleinen Schritten gebaut. Da gehören Nächstenliebe, Vergebung, Gebet und Gottesdienst dazu. So wird das Glaubenshaus gut gebaut. Und das gilt nicht nur für mein eigenes, sondern auch für unsere ganze Gemeinde.
Paulus sagt: Ihr seid Gottes Bau, ja sogar: Ihr seid Gottes Tempel, und der Geist Gottes wohnt in euch. Unsere Gemeinde soll ein lebendiges Bauwerk Gottes sein. Ein Ort, an dem Christus das Fundament ist und Gottes Geist spürbar ist. Darum ist die Gemeinschaft so wichtig und kostbar, denn sie schützt uns.
Ein Haus kann nämlich auch beschädigt werden, wenn man Mauern einreißen, Risse ignoriert oder tragende Teile zerstört werden. Wir alle hier miteinander sind lebendige Steine im Bauwerk. Und alle sind wichtig – die kantigen und die abgeschliffenen, die eckigen Steine und die großen Brocken. Unsere Gemeinde lebt nicht davon, dass ein bestimmter Mensch alles zusammenhält, sondern Christus hält uns zusammen.
Unsere Gemeinde ist die Baustelle Gottes. Und auf einer Baustelle ist noch nicht alles fertig. Da liegt manches herum. Da ist Lärm. Da fehlt noch etwas. Da geht auch einmal etwas schief. Aber Gott hat das Werk nicht aufgegeben. Das ist tröstlich. Gerade dann, wenn wir an Kirche und Gemeinde auch leiden.
Ende zählt nicht der schöne Schein. Nicht alles, was groß wirkt, ist wertvoll und nicht alles, was klein wirkt, ist unbedeutend. Gott sieht mitten ins Herz der Gemeinde. Er sieht, mit welchem Material wir gebaut haben.
Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Auf ihm können wir stehen, auf ihm dürfen wir bauen. Und auf ihm dürfen wir hoffen.
Amen.
Gabriele von Dressler
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