Anspiel der Jugend und Predigt am 1.2.2026
1. Korinther 12, 12–31
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1. Kor. 12,12: Viele Körperteile – ein Leib
Szene 1 – Einführung (Erzähler/in steht vorne)
Erzähler/in:
Paulus schrieb an die Gemeinde in Korinth. Die Menschen dort stritten sich:
„Wer ist wichtiger? Wer gehört wirklich dazu?“
Da sagte Paulus: „Wie ein Körper viele Körperteile hat, so sind auch wir: viele, aber ein Leib – in Christus!“
Mal sehen, wie das aussieht, wenn ein Körper zu reden beginnt …
(Licht oder Musik – die Jugendlichen „erwachen“ als Körperteile.)
Szene 2 – Der Streit
Kopf (nachdenklich):
Also mal ehrlich – ohne mich läuft gar nichts! Ich bin der Kopf. Ich denke, plane, entscheide. Ich bin sozusagen die Schaltzentrale.
Hand (energisch):
Toll, dass du denkst. Aber wer setzt das alles um? Ich arbeite! Ich tue etwas! Ohne mich bleibt alles Theorie.
Fuß (selbstbewusst):
Schön und gut, aber wer bringt euch überhaupt irgendwohin? Ich trage euch, ich bewege euch. Ohne mich steht ihr stocksteif herum!
Auge (stolz):
Und wer sagt euch, wohin ihr laufen sollt? Ich sehe den Weg. Ohne mich würdet ihr dauernd gegen Wände rennen.
Ohr (ruhig):
Ich sag’s ja nur, aber ihr würdet auch nichts mitbekommen, wenn ich nicht zuhören würde. Ich höre die Stimmen, die Musik, den Wind… na, und wenn Gott spricht!
Mund (laut):
Aha! Aber wer sagt das dann weiter? Ich bin der, der laut wird, der Mut macht, der anderen sagt, was Sache ist. Ohne mich wäre es hier ganz schön still!
Herz (mitfühlend):
Ihr habt ja alle recht – aber ohne mich … würdet ihr gar nicht leben. Ich bin das Herz! Ich pumpe euch Kraft, Liebe und Leben.
(Alle reden durcheinander, lauter Streit.)
Auge: „Ich bin wichtiger!“
Hand: „Ohne mich läuft nichts!“
Kopf: „Ihr versteht mich einfach nicht!“
Fuß: „Ich geh einfach allein!“
Erzähler/in (laut):
Halt! Was ist denn hier los? Ihr seid doch ein Körper – kein Chaos!
Szene 3 – Jeder will allein leben
Erzähler/in:
Na gut – wenn ihr so streitet, dann probiert’s doch mal allein. Mal sehen, wie das funktioniert …
(Die Körperteile stellen pantomimisch dar, wie sie „getrennt“ funktionieren wollen.)
Fuß stampft los, stolpert.
Fuß: „Aua! Ich seh ja gar nichts! Wo ist das Auge?“
Auge schaut umher.
Auge: „Ich kann sehen – aber ich kann mich nicht bewegen …“
Hand: wedelt herum.
Hand: „Ich will was tun – aber ohne Idee und Richtung? Keine Chance!“
Mund: versucht zu sprechen, hustet.
Mund: „Warum sagt mir keiner, was ich sagen soll?!“
Herz: legt Hand aufs Herz.
Herz: „Ich pumpe und pumpe, aber für wen? Ich bin doch nicht zum Alleinsein gemacht!“
(Alle schauen traurig voneinander weg.)
Erzähler/in:
Tja, das war wohl nichts. So funktioniert kein Körper. So funktioniert auch keine Gemeinde.
Szene 4 – Die Erkenntnis
Erzähler/in (liest aus der Bibel):
„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Teile hat, aber alle Teile des Leibes, obgleich viele, ein Leib sind – so auch Christus.“
Kopf:
Also … ich brauch euch. Sonst bleib ich eine Idee ohne Leben.
Hand:
Ich brauch dich, Kopf – und euch alle. Ich will etwas tun, das Sinn hat.
Augen:
Und ich kann sehen, wohin Gott will, dass wir gehen – aber nur, wenn ihr mitkommt.
Ohr:
Ich höre, was Gott sagt, und was Menschen brauchen. Das will ich weitergeben.
Mund:
Und ich darf das dann aussprechen – Gottes Wort, Ermutigung, Trost.
Herz (lächelt):
Und ich sorge dafür, dass Liebe in allem pulsiert.
Fuß:
Dann trage ich euch gemeinsam in die Welt!
(Alle treten zusammen, legen eine Hand in die Mitte oder bilden einen Kreis.)
Alle gemeinsam (laut):
Wir sind viele – aber ein Leib in Christus!
Predigt
- Korinther 12, 12–31
Liebe Gemeinde,
was wir eben in unserem Anspiel gesehen haben, war ja gar nicht so weit weg von dem, was wir im Alltag erleben: Wenn jedes Körperteil nur an sich denkt, dann kommt nichts in Bewegung. Wenn jeder und jede von uns sich nur um sich selbst dreht – im Sportteam, in der Schulklasse, im Chor oder eben auch in der Gemeinde – dann funktioniert das Ganze nicht. Da fehlt die Verbindung, das Miteinander, die Rücksicht. Paulus vergleicht die Gemeinde mit einem Körper – einem Leib, bei dem jedes Teil wichtig ist, auch wenn die Aufgaben verschieden sind. So unterschiedlich die Einzelnen sind, sie gehören zusammen, weil Gott sie zusammengefügt hat.
Predigttext:
12 Denn wie der Leib einer ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. 13 Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. 14 Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. 15 Wenn nun der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört er deshalb etwa nicht zum Leib? 16 Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!, gehört es deshalb etwa nicht zum Leib? 17 Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? 18 Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. 19 Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? 20 Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer. 21 Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. 22 Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns schwächer erscheinen, die nötigsten; 23 und die uns weniger ehrbar erscheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und die wenig ansehnlich sind, haben bei uns besonderes Ansehen; 24 denn was an uns ansehnlich ist, bedarf dessen nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, 25 auf dass im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder einträchtig füreinander sorgen. 26 Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. 27 Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ein Glied. 28 Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann gab er die Kraft, Wunder zu tun, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede. 29 Sind sie denn alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Haben sie alle die Kraft, Wunder zu tun, 30 haben sie alle Gaben, gesund zu machen? Reden sie alle in Zungen? Können sie alle auslegen? 31 Strebt aber nach den größeren Gaben! Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.
Paulus schreibt:
„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl es viele sind, ein Leib sind: so auch Christus.“ Ein wunderbares Bild – einfach und doch tief. Jedes Körperteil ist wichtig – das Auge, das Ohr, die Hand, der Fuß, der Kopf, das Herz, der Mund. Wenn eines fehlt, leidet der ganze Körper. Vielleicht habt ihr das schon erlebt: Wenn man sich den kleinen Zeh stößt, denkt man plötzlich an nichts anderes mehr! Mit einem gebrochenen Bein merkt man: der ganze Körper ist betroffen. Man hinkt, man bewegt sich anders, man ist eingeschränkt. So ist es auch in der Gemeinde: Wenn jemand fehlt oder sich zurückzieht, spürt man das. Wenn jemand sein Talent nicht einbringt, wenn andere ihre Gaben nicht erkennen – dann wird der Leib schwächer. Und wenn einer leidet, dann leidet die ganze Gemeinde mit. Das sagt Paulus auch: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“ Paulus sagt nicht: Wir müssen alle gleich sein. Unsere Verschiedenheit ist kein Problem, ja sie ist Gottes Geschenk! Martin Luther hat das einmal in seiner Schrift: Die Freiheit eines Christenmenschen so formuliert: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Das klingt widersprüchlich – und ist doch die Haltung, die Paulus beschreibt:
Wir sind frei – und doch stehen wir füreinander ein. Niemand ist „höher“ oder „wichtiger“, weil alle ihre jeweilige Aufgabe haben. Dietrich Bonhoeffer schreibt in Gemeinsames Leben: „Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander, oder sie geht zugrunde.“ Wir müssen also nicht aus eigener Kraft perfekte Gemeinschaft herstellen. Wir dürfen sie entdecken, pflegen, gestalten – im Vertrauen darauf, dass Gott uns zusammenhält. Wie sieht das bei uns aus?
Schauen wir auf unsere Gemeinde – sie funktioniert nur, wenn viele mitmachen: Die Saaldiener sind wichtig, die alle herzlich begrüßen und Bücher verteilen. Der Organist wird gebraucht, der den Gottesdienst durch seine Musik lebendig macht. Die Helferinnen vom Kirchenkaffee, die uns nach dem Gottesdienst mit Tee, Kaffee und Gebäck etwas Gutes tun. Der Kameradienst ist unentbehrlich, der für die Übertragung des Gottesdienstes sorgt. Der Blumendienst, der immer die herrlichsten Sträuße in den Saal stellt. Die Jugendmitarbeiterin, die sich liebevoll um die Kinder und Jugend in unserer Gemeinde kümmert. Es braucht Gemeindeglieder, der still im Hintergrund für andere beten. Die Jugendlichen sind wichtig, die uns durch ihre Fragen zum Glauben herausfordern und darauf achten, dass wir verständliche Worte nutzen. Die Älteren haben ihren Platz, die mit ihrer Erfahrung Orientierung geben. Und es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, sich einzubringen.
Wenn einer dieser Teile ausfällt – merken wir es. Wenn alle zusammenwirken – dann ist Leben da. Dann wird aus vielen Einzelnen Leib Christi hier vor Ort. Das Entscheidende aber ist: Nicht wir halten die Gemeinde zusammen – Gott ist es, der uns zusammenhält.
Paulus sagt: „Gott hat die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er es gewollt hat.“ Das bedeutet: Wir sind keine zufällige Ansammlung von Menschen. Wir sind berufen, hier miteinander Gemeinde zu leben. Auch wenn es manchmal kracht, auch wenn man sich nicht immer versteht – Gott hat uns füreinander bestimmt.
Wie beim Körper: Man sucht sich die Körperteile nicht aus – sie gehören einfach dazu. Das heißt auch: Wir müssen lernen, aufeinander zu hören und aufeinander zu achten. Gerade da, wo wir unterschiedlich sind. Denn jeder hat eine Gabe, die er einbringen kann. Einer kann gut reden, eine andere kann zuhören. Einer packt gern an, eine andere sieht, wo gerade dringend Hilfe nötig ist.
Einer kann organisieren, eine andere kann trösten. Eine singt gern, ein anderer spielt ein Instrument. Gott freut sich über diese Vielfalt- vereint in Gemeinschaft. Er ist die Kraftquelle, aus der wir schöpfen können. Dietrich Bonhoeffer schreibt „Die Kraft des Menschen ist das Gebet. Beten ist Atem holen aus Gott. Beten heißt sich Gott anvertrauen. Das Gebet ist das Herz christlichen Lebens.“ Das hilft uns, gelassen zu bleiben: Nicht aus Leistung oder Erfolg entsteht Gemeinde, sondern aus Gnade und Gebet.
Paulus, Luther und Bonhoeffer – sie erinnern uns daran: Gemeinde ist kein Werk des Menschen, sondern Gottes Werk. Wir alle sind eingeladen, mitzubauen, mitzuwirken und mitzubeten. Denn es sind viele Glieder aber ein Leib. Es sind viele Stimmen aber ein Chor. Es gibt viele Aufgaben, aber es ist der Heilige Geist, der uns bewegt. Mitten in allem ist Christus, der uns verbindet, tröstet und stärkt.
Sie haben alle am Eingang Zettel ausgeteilt bekommen. Auch unsere Gemeinde lebt von dem Engagement jedes Einzelnen. Falls Sie oder Ihr schon etwas gefunden habt, wo ihr mitmachen könnt, dann tragt es auf den Zettel ein und legt ihn am Ende am Ausgang in den bereitgestellten Korb. Alle, die online zuschauen und auch gern mitmachen wollen, können eine E-Mail oder einen Brief ans Pfarramt schreiben. Lasst uns gemeinsam aktiv sein. Gott segne uns und unsere Gaben.
Amen.
Gabriele v. Dressler
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