Predigt am 10. Mai 2026 • Konfirmation
Predigttext: Matthäus 6, 5-15
Diese Predigt zum Ausdrucken
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Familien, liebe Gemeinde,
heute ist Euer großer Tag. Ihr geht einen großen Schritt in eurem Glaubensleben. Wir haben in den letzten Monaten viel Zeit miteinander verbracht und über Glaubensthemen gesprochen. Ihr habt auch einiges auswendig gelernt. Und heute geht es um das Zentrum des Glaubens – das Gebet. In einer unserer gemeinsamen Stunden habe ich euch gefragt, wann Ihr zu Hause betet. Vor dem Essen war die Antwort, die ich am meisten gehört habe. Als Zweites nanntet Ihr das Abendgebet.
Im Predigttext heute erklärt Jesus seinen Jüngern, wie sie beten und was sie sagen sollen. Im Matthäusevangelium, im 6. Kapitel in den Versen 5-15 sagt Jesus:
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Das Vaterunser ist ein Gebet, dass Ihr Konfirmanden und wir alle gut kennen. Man kennt diese Worte so gut, dass man sie einfach mitbetet und dabei leicht übersehen kann, wie kraftvoll sie sind.
Im 6. Kapitel des Matthäusevangeliums sagt Jesus zuerst etwas, das überraschend modern klingt: Betet nicht, um gesehen zu werden oder um etwas darzustellen. Betet nicht, um Eindruck zu machen. Er sagt: Geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und bete zu deinem Vater im Himmel, der im Verborgenen ist.
Aber warum? Weil Gebet keine Show ist. Gebet ist Beziehung. Wenn ich euch Konfirmandinnen und Konfirmanden anschaue, dann weiß ich: Beziehung ist etwas, das Ihr sehr gut kennt. Wer ist meine Freundin oder mein Freund? Wem vertraue ich? Mit wem kann ich reden, wenn’s schwierig wird? Beziehungen sind für euch nichts Fremdes, sondern Ihr lebt sie. Und genauso ist es mit Gott. Er will Kein Zuschauer deines Lebens sein. Er will dein Leben teilen und dich begleiten, so wie er es seit deiner Taufe versprochen hat.
Vielleicht denkt Ihr jetzt: Aber ich weiß gar nicht so genau, wie ich beten soll. Genau da bietet uns Jesus seine Hilfe an. Er gibt uns das Vaterunser – nicht als Pflichttext, sondern als Einladung. Es beginnt mit den Worten:
Unser Vater im Himmel. Jesus beginnt nicht mit: Allmächtiger Herr, sondern mit Vater. Da ist schon von Anfang an eine Nähe – eine Beziehung da. Ihr seid heute hier, weil Gott Euch beim Namen kennt. Ihr seid keine Nummer, sondern Ihr seid Kinder Gottes. Wer „Vater“ sagt, sagt damit: Ich vertraue dir und ich darf zu dir kommen, ohne Angst, ohne Maske, so wie ich bin – so haben wir es vorhin auch gesungen.
Weiter geht das Gebet: Geheiligt werde dein Name. heißt: Gott, ich will, dass sein Name in meinem Leben sichtbar wird. Nicht, weil ich perfekt bin, sondern weil ich offen bin. Du, Gott, machst mich zu einem Spiegel deines Lichts.
Dein Reich komme. Euer Leben liegt vor Euch – voller Möglichkeiten. Aber Jesus erinnert uns: Es geht nicht nur um mein kleines Reich um meine Wünsche und meinen Erfolg. Es geht darum, dass Gottes Güte größer wird. Dass Frieden Gerechtigkeit und Liebe wachsen. Da, wo du bist, darf ein Stück von Gottes Reich sichtbar werden.
Dein Wille geschehe. ist schwer. Wir Menschen wollen lieber nach unserem eigenen Willen leben. Wir sind oft ungeduldig mit uns selbst und mit Gottes Wirken. Aber Jesus lädt ein, Gott zuzutrauen, dass er es gut mit uns meint. Ihr steht heute an einem Übergang. Ihr werdet erwachsen und beginnt Entscheidungen selbst zu treffen, die Euer Leben prägen werden. Diese Bitte ist wie ein Kompass: Gott, zeig mir deinen Weg – und gib mir den Mut, ihn zu gehen.
Unser tägliches Brot gib uns heute. klingt so einfach, aber es bedeutet so viel. Wir leben aus Gottes Hand und nicht aus eigener Perfektion oder Kontrolle. Alles, was wir wirklich brauchen – Kraft, Mut, Glaube, Hoffnung, Liebe – kommt letztlich von ihm. Gott weiß, was du brauchst, bevor du es sagst. Und er hört dir zu, wenn du fragst. Er gibt dir genau das, was du zum Leben brauchst.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Dieser Satz trifft mitten ins Herz. Wer vergibt, zeigt Größe. Wer um Vergebung bittet, zeigt Mut. Ihr werdet Fehler machen und andere werden Euch enttäuschen. Das passiert in jedem Leben. Aber Jesus sagt: Lass die Schuld nicht zwischen Euch stehen. Bleib nicht stehen, sondern geh den ersten Schritt zur Versöhnung. Du kannst neu anfangen – und du kannst anderen diesen Neuanfang schenken.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Leben ist manchmal kompliziert. Es gibt Entscheidungen, bei denen man nicht weiß, was richtig ist. Es gibt Stimmen, die behaupten, alles sei erlaubt und legal. Jesus lädt Euch ein, ehrlich zu sagen: Gott, bleib bei mir, besonders, wenn ich’s schwer habe. Halt mich fest, wenn ich unsicher werde. Schütze mich davor, mich selbst zu verlieren.
Und dann endet das Gebet mit dem Satz: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Dieser Satz sagt: Gott, am Ende vertraue ich auf dich. Mein Leben liegt in deinen Händen.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, Ihr habt heute viel gehört. Nun geht Ihr weiter eigene Schritte im Glauben und er kann wachsen. Das Vaterunser begleitet Euch weiter durch Euer Leben. Nicht nur als ein auswendig gelerntes Gebet im Gottesdienst, sondern als bewusstes Gebet, das in jede Lebenslage passt.
Wenn Ihr nicht wisst, was Ihr sagen sollt, dann betet das Vaterunser. Wenn Ihr dankbar seid, dann betet das Vaterunser. Wenn Ihr Angst habt, dann betet das Vaterunser. Wenn Ihr nicht mehr weiterwisst, dann betet das Vaterunser. Es verbindet Euch mit Gott, es trägt und hält Euch. Und es verbindet uns mit allen Christen der ganzen Welt.
Stellt Euch vor, Euer Leben ist wie eine große Reise. Manchmal voller Sonne und manchmal voller Regen. Manchmal mit klaren Wegen, manchmal auch mit unübersichtlichen Kreuzungen. Das Vaterunser ist wie ein Kompass, den Euch Jesus in die Hand legt. Er sagt: „Du musst den Weg nicht allein finden. Ich gehe mit dir.“
Heute empfangt Ihr Gottes Segen für Euren weiteren Weg. Nehmt ihn mit und tragt ihn weiter. Vertraut darauf, dass Gott Euch sieht, hört und liebt und Euch bei Eurem Namen nennt.
Amen.
Gabriele von Dressler
KONTAKT
Ev. Kirchengemeinde
Zinzendorfplatz 3
78126 Königsfeld im Schwarzwald
Telefon: 07725 9382-0
E-Mail: gemeindebuero@koenigsfeld.org
