Predigt am 6. Januar 2026 · Epiphanias
Predigttext: Epheser 3, 1-7
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Liebe Gemeinde,
noch einmal sind wir hier versammelt unter dem Stern, der uns heute ganz besonders darauf hinweisen will, dass die Weisen aus dem Morgenlande ihm gefolgt sind und an der Krippe bei Jesus angekommen sind. Sie haben einen sehr weiten Weg auf sich genommen, um das Wunder von der Geburt Jesu selbst zu sehen.
Tag und Nacht waren sie unterwegs, der Stern hat ihnen den Weg gezeigt.
Dass die Geburt von Jesus allen Menschen verkündet wird und dass dieses Kind zum Heil und zur Erlösung für alle gilt, davon hören wir heute im Predigttext aus dem Epheserbrief. Paulus schreibt diesen Brief aus dem Gefängnis heraus.
Der besondere Auftrag des Paulus
Das ist der Grund, weshalb ich vor dem Vater meine Knie beuge. Ich, Paulus, bin wegen Christus Jesus für euch Menschen aus den anderen Völkern in Haft. Ihr habt sicher von dem Auftrag gehört, den ich im Hinblick auf euch bekommen habe. Gott hat mir seine Gnade geschenkt, damit ich ihn erfüllen kann. Es geht um das Geheimnis, das Gott mir durch eine Offenbarung gezeigt hat. Ich hatte euch ja zuvor schon kurz davon geschrieben. Beim Lesen des Briefs merkt ihr, dass ich Einsicht in das Geheimnis von Christus habe. Seit Menschengedenken wurde es niemanden in ähnlicher Weise gezeigt. Aber jetzt hat Gott es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch seinen Geist offenbart: Die Menschen aus den anderen Völkern sind Miterben. Sie gehören mit den Juden zum Leib von Christus und haben zusammen mit ihnen Anteil an der Verheißung. Denn durch die Gute Nachricht gehören sie auch zu Christus Jesus, in dessen Dienst ich stehe. Denn Gott hat mir seine Gnade zum Geschenk gegeben, wie es seiner Stärke und Macht entspricht.
Die Weisen haben am Ende ihrer Reise Jesus gesehen und das Licht, das von diesem Kind ausgegangen ist. Sie waren davon im Herzen berührt und haben diesem besonderen Kind ihre Ehrfurcht entgegengebracht, in dem sie niederknieten. Und sie schenkten Jesus wertvolle Gaben: Gold, Weyrauch und Myrrhe.
Paulus, so hörten wir es im Brief, kniet auch nieder in Ehrfurcht vor Gott, der ihm einen ganz besonderen Spezialauftrag gegeben hat. Er soll den jungen christlichen Gemeinden sagen, dass sie Miterben geworden sind und zum Leib Jesus Christi gehören. Genau wie die Juden, in dessen Volk Jesus hineingeboren wurde, sollen auch sie, die Christen, Anteil an der Verheißung und damit Anteil an der Erlösung durch Jesus Christus haben.
Paulus bekam neben dem Spezialauftrag auch ein Geschenk von Gott mit.
Geschenke haben wir in den letzten Tagen und Wochen alle sicher reichlich bekommen. Da gab es sicher die großen Herzenswünsche, die erfüllt wurden und die uns glücklich gemacht haben. Und auch wir haben Geschenke für andere gemacht, in der Hoffnung, dass sie bei dem Beschenkten richtig angekommen sind.
Ich habe vor ein paar Tagen gelesen, dass es eine Adresse gibt, wo man unliebsame Geschenke wieder zurückgeben und dafür ein passenderes aussuchen kann. Eine Möglichkeit, Geschenke weiterzugeben, die andere vielleicht besser brauchen können.
Paulus hat also von Gott ein Geschenk bekommen – seine Gnade und er hat das Geschenk angenommen. Paulus, der am Anfang ein Gegner der Christen war und sie verfolgt hat, er soll nun durch Gottes Gnade verkünden, dass alle Völker Miterben von Jesus geworden sind. Gott nimmt Menschen in seinen Dienst, die wir eher gar nicht im Blick gehabt hätten. Paulus, ein Verfolger und Gegner bekommt so einen wichtigen Spezialauftrag, das ist für unseren Verstand zu hoch. Aber Gott weiß, dass Menschen sich ändern können. Während wir unser Schubkastensystem haben, in das wir fleißig alle einsortieren, gibt es dieses Ausschlussverfahren bei Gott nicht. Und das ist wunderbar, sonst wäre ich nicht hier und vielleicht manch anderer auch nicht. Bei Gott gibt es immer wieder einen Neuanfang, von dem auch die Jahreslosung spricht, die wir heute schon miteinander gesungen haben und die wir nun mitnehmen in das junge Neue Jahr: Siehe, ich mache alles neu! Gott ruft Menschen in seinen Dienst und traut ihnen viel zu – so auch Paulus. Er soll das neue Erbrecht Gottes verkünden.
Erbe verpflichtet, davon haben wir alle schon etwas gehört. Wer etwas erbt, besitzt etwas: z.B. das Schmuckstück von der Oma oder Geld von einer Tante… Solche plötzlichen Geschenke sind toll. Erben kann aber auch Unheil bringen: plötzlich reden Familienmitglieder nicht mehr miteinander, weil einer ganz viel, der andere aber fast leer ausgegangen ist. Da geht es um enttäuschte Liebe und Neid. Das schmerzt und tut weh.
In unserem Fall sind wir eine große Erbengemeinschaft. Auch das ist nicht immer einfach, da man sich untereinander einigen muss, wie mit dem Erbe umgegangen werden soll, denn alle sind gleichberechtigt.
Was aber ist hier das gemeinsame Erbe?
Es geht um die Verheißung Gottes, um das Heil für die ganze Welt. Und um den Zusammenhalt – wir gehören zum Leib Christi.
Da kommt mir das Bild von den verschiedenen Körperteilen in den Sinn. Jeder von uns ist so ein Körperteil – also ein Kopf, ein Ohr, ein Mund, ein Auge, ein Arm, eine Hand, ein Bein usw. und jedes Körperteil hat auch seine ganz spezielle Aufgabe. Wenn nun das Bein die Aufgabe vom Mund übernehmen will, dann geht es schief. Und wenn das Auge die Aufgabe vom Bein erledigen will, dann geht das ins Auge. Jedes Körperteil kennt seine Aufgabe und nur gemeinsam funktioniert der Körper richtig gut.
Und so braucht es einen jeden und eine jede von uns gleichberechtigt an seiner oder ihrer Stelle. Aus uns allen baut sich die Gemeinde. Da schmerzt es, wenn ein Körperteil ausfällt, sei es durch Krankheit, durch einen Bruch oder im schlimmsten Fall durch eine Amputation.
Wenn es einem Körperteil nicht gut geht, so sollen alle anderen Anteil daran nehmen und dafür sorgen und beten, dass das leidende Teil wieder gesund wird.
Und nun sind wir gemeinsam hier. Wir alle haben uns, so wie die Weisen, aufgemacht, um dem Stern zu folgen und Gottes Geheimnis auf der Spur zu sein. Die Weisen waren auf ihrem Weg zu Jesus bei König Herodes vorbeigekommen. Er wollte alles über das neugeborene Kind erfahren und gab ihnen den Auftrag, auf ihrer Rückreise wieder bei ihm vorbeizukommen. Dabei hatte er nur den einen Gedanken: Es darf keinen anderen König außer mir geben.
Die Weisen erfuhren im Traum, dass sie einen großen Bogen um Herodes machen sollten. Und diesem Auftrag Gottes folgten sie auch. So wurde Gottes Sohn gleich in seinen ersten Tagen beschützt.
Sie waren tief ergriffen von dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes und reisten glücklich nach Hause.
Vielleicht sangen sie auch, weil sie so froh waren?
Amen
Gabriele v. Dressler
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