Predigt 4. Januar 2026 · 2. Sonntag nach Weihnachten
Jesaja 61, 1-3, 10 + 11
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Liebe Gemeinde,
Heilig Abend ist gerade erst zehn Tage her. Noch steht in unserem Wohnzimmer der Tannenbaum geschmückt mit Kugeln, Sternen und Kerzen. Die Türen in der Wohnung sind geschmückt mit gebastelten Sternen – ein sichtbares Zeichen, das unsere Enkelkinder uns hinterlassen haben. Die Freude, die von der Krippe ausgegangen ist, sie ist bei mir ganz fest im Herzen angekommen. Und nun kommt der Predigttext, der auch von Freude spricht:
1 Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2 zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden,3 zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des HERRN«, ihm zum Preise. 10 Ich freue mich im HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. 11 Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der HERR Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.
Ich weiß nicht, wie es Euch und Ihnen geht. Es tut richtig gut, frohe Botschaften zu hören. Vielleicht auch gerade deshalb, weil wir umgeben sind von Schreckensnachrichten. Beim Lesen des Textes strahlte die Freude mir förmlich entgegen. Beim zweiten Lesen fiel mir aber auch auf, dass Jesaja eine Situation voraussah, die nichts mit Freude zu tun hat. Er sah in der Vision das zerstörte Jerusalem, und Not und Elend der heimkehrenden Israeliten. Und er sah, dass Gott sich den Elenden, denen mit zerbrochenem Herzen und den Gefangenen zuwenden wird. Und da sind sie wieder, die Umstände, die wir auch heute in den Nachrichten hören und lesen. Und mitten hinein in das mühsame Leben kommt ein Hoffnungsträger, kommt Jesus selbst. Im Lukasevangelium im 4. Kapitel lesen wir von der Predigt, die Jesus in Nazareth zu Beginn seines Wirkens gehalten hat. Er nimmt genau auf diese Verse aus dem Jesaja Bezug und sagte: Heute ist dieses Wort der Schrift (das der Geist Gottes auf ihm ruht) erfüllt vor euren Ohren. 22 Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Munde kamen, und sprachen: Ist das nicht Josefs Sohn? (Lukas 4, 21,22) Jesus gibt sich den Menschen in der Synagoge zu erkennen und erntet Misstrauen. Gott hat ihn in die Welt gesandt, mitten hinein in das Elend, in die Zerbrechlichkeit des Lebens, in das Leid und den Schmerz. Und was will er? Haben die Menschen diesen besonderen Moment verstanden? Verstehen wir es?
Das Kommen von Jesus in die Welt war alles andere als spektakulär in unserem Sinne. Josef und Maria mussten vor der Geburt erst einmal eine lange Wegstrecke zurücklegen. Endlich angekommen, waren sie unerwünscht und eher lästig. Am Ende erbarmte sich ein Wirt und wies ihnen einen Stall zu. In diesem Stall unter ärmlichsten Bedingungen wurde Jesus geboren. Und nicht die Mächtigen im Land erfuhren zuerst von der Geburt – es waren die Hirten, die, die ausgegrenzt und eher belächelt wurden. Sie waren diejenigen, die diese frohe Botschaft als erste von den Engeln gesagt bekamen. Gott brachte seine Botschaft von der Geburt seines Sohnes auf ganz besondere Weise unter die Menschen.
Und auf ihn – seinen Sohn – legte er seinen Geist. Als Jesus größer wurde, da war sein Leben von Gottes Auftrag bestimmt, seine befreiende und frohe Botschaft unter die Menschen zu bringen. Und damit diese Botschaft noch größeres Gewicht bekam, redete Jesus nicht nur, sondern er handelte auch. Er heilte Zerbrochenes, verband Wunden und er half denen, die am Rande der Gesellschaft – ja, die die Abgestoßen waren. Er tröstete die Trauernden und richtete die Verzweifelten auf. Wort und Tat, lagen bei ihm ganz dicht beieinander.
Und er verkündete ein gnädiges Jahr des HERRN. In der Tora steht, dass jedes 50. Jahr zu einem Jubeljahr – zu einem Erlassjahr aufgerufen werden soll. (Levitkus 25) Das bedeutete, dass alle Schulden in diesem 50. Jahr erlassen wurden. Wer also Schulden angehäuft hatte, der war am Ende frei davon. Alles auf Null – alles auf Neuanfang.
Wie wäre das für unsere ganze Welt heute? Wenn alle Schulden plötzlich auf Null gesetzt werden würden? Unvorstellbar schön – oder? Allen Wirtschaftsprognosen zum Trotz wäre das ein wirklicher Neuanfang. Und wie wäre es erst mit der nichtmateriellen Schuld, die wir mit uns herumtragen?
Aber nicht nur damals, auch heute verkündigt Jesus uns ein gnädiges Jahr – ein Jubeljahr. Was für eine Freude. Denn das gibt uns auch heute Zuversicht und Hoffnung, uns, die wir am 4. Tag des neuen Jahres 2026 angekommen sind. Das Jahr ist noch jung und liegt offen vor uns. Er sagt uns heute zu, dass alle Schuld, die wir von Jahr zu Jahr mit uns herumtragen am Kreuz aufgehoben und abgegolten sind.
Wir können einen Neuanfang wagen. Die Jahreslosung 2026 sie spricht ganz klar davon: Gott spricht: Siehe ich mache alles neu! (Offenbarung 21,5)
Wenn wir nun diese Zusage haben, dann können wir auch denen mit Offenheit begegnen, die uns etwas schuldig geblieben sind. Wir können verzeihen und vergeben. Doch damit tun wir uns Erwachsene oft schwer. Da können wir von den Kindern lernen. Sie streiten, sie vertragen sich aber auch schnell wieder. Sie sprechen aus, was ihnen wehgetan hat und gehen aufeinander zu.
Wann fangen wir damit an, offen und ehrlich miteinander umzugehen? Es würde uns allen viel besser gehen, auch wenn der Anfang oft schwer ist. Aber erst, wenn das Alte und Belastende ausgesprochen und vergeben ist, ist Platz für einen Neuanfang. Das ist in Beziehungen so, das ist auch in der großen Politik ein möglicher Weg und das ist mit unserem Glaubensleben – in der elbendigen Beziehung mit Jesus so.
Dann nämlich kann der Baum der Gerechtigkeit wachsen und reifen, von dem Jesaja spricht. Dann erst kann die belastete Seele wieder fröhlich werden. Das geht alles nicht von heute auf morgen – es braucht Zeit. Aber diese Zeit können wir nutzen.
Gottes Gerechtigkeit ist wie eine kleine Pflanze, die in uns keimt. Sie kann nur wachsen, wenn wir sie pflegen und versorgen. Dann kann daraus ein großer Baum werden, der Früchte trägt. Diese Früchte sind sichtbar für alle und verbreiten Duft und Schönheit. Und jede Pflanze ist einzigartig und besonders.
Wir alle sind Pflanzen in Gottes Garten. Wir entwickeln Früchte der Liebe, des zugewandten Miteinanders, des Friedens und des Glaubens, wenn wir tief verwurzelt sind in Gott. Dann geben wir diese Früchte weiter an die nächsten Generationen. Dann wachsen Glaube, Hoffnung und Liebe sichtbar in dieser Welt.
Jesus hat uns ein gnädiges Jahr 2026 verheißen. Er vergibt uns unsere Schuld, die uns belastet und schenkt uns ein Jubeljahr. Sollte uns das nicht fröhlich machen? Amen
Gabriele v. Dressler
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