Kurzansprache 13. September 2026
Lukas 12, 16–21
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Stellt euch einmal einen Bauern vor. Es ist Erntezeit. Auf seinen Feldern wächst wunderschönes Getreide. Die Sonne hat geschienen, es hat genug geregnet – und nun ist das Getreide reif.
Der Bauer fährt mit seinem Wagen über die Felder und sammelt die Körner ein. Ein Sack nach dem anderen wird voll. Er schaut auf seine Ernte und staunt: So viel Getreide!
Er freut sich riesig. Aber dann merkt er: Seine Scheunen sind schon fast voll. Er kratzt sich am Kopf und denkt: „Wo soll ich nur mit all dem Getreide hin?“
Er schaut auf seine kleinen Scheunen. Die sind viel zu klein für die große Ernte. Also überlegt er weiter. Und dann kommt ihm eine Idee: „Ich weiß! Ich reiße meine alten Scheunen ab und baue einfach größere. Viel größere!“
Und genau das macht er. Er baut riesige Scheunen. So groß, dass unglaublich viel Getreide hineinpasst. Als alles fertig ist, trägt er seine Ernte hinein. Sack um Sack. Korn um Korn. Bis die Scheunen randvoll sind.
Der Bauer steht davor, schaut auf seine vollen Scheunen und ist sehr zufrieden. Er denkt: „Jetzt habe ich ausgesorgt. Jetzt habe ich so viel, dass ich viele Jahre davon leben kann. Ich brauche mir keine Sorgen mehr zu machen.“
Und dann denkt er: „Jetzt kann ich es mir richtig gut gehen lassen. Ich kann essen, trinken, feiern und das Leben genießen.“
Der Bauer glaubt, dass er jetzt ganz sicher ist. Er glaubt: Wenn ich nur genug besitze, dann kann mir nichts mehr passieren. Aber in dieser Nacht passiert etwas, womit er überhaupt nicht gerechnet hat.
Gott sagt zu ihm: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird dein Leben von dir gefordert. Wem wird dann all das gehören, was du angesammelt hast?“
Und damit endet die Geschichte.
Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Was war denn eigentlich falsch an diesem Bauern? War es falsch, dass er eine gute Ernte hatte? Nein. War es falsch, dass er Vorräte gesammelt hat? Auch das ist nicht das Problem. Das Problem ist: Der Bauer denkt nur an sich selbst. Er sagt immer nur: „Meine Ernte. Meine Scheunen. Mein Getreide. Mein Leben.“ Aber er fragt nicht: „Wer könnte etwas von meiner Ernte gebrauchen?“
Vielleicht gibt es Menschen, die nicht genug zu essen haben. Vielleicht gibt es jemanden, der Hilfe braucht. Vielleicht hätte er einen Teil seiner Ernte verschenken können. Doch daran denkt er überhaupt nicht. Und genau das möchte Jesus uns mit dieser Geschichte sagen:
Es ist nicht entscheidend, wie viel wir besitzen. Entscheidend ist, was wir mit dem machen, was wir haben.
Denn irgendwann können wir unsere Sachen nicht mehr festhalten – unser Geld, unsere Spielsachen, unser Haus, unser Handy. Aber was bleibt, ist die Liebe, die wir anderen geschenkt haben, die Zeit, die wir miteinander verbracht haben. Die Hilfe, die wir gegeben haben.
Jesus nennt das „reich sein bei Gott“. Und reich bei Gott zu sein bedeutet nicht, möglichst viele Dinge zu besitzen. Es bedeutet, ein Herz zu haben, das teilen kann.
Ein Herz, das sagt: „Ich habe genug. Ich kann auch etwas abgeben.“
Amen.
Gabriele v. Dressler
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