19.04.2026 Misericordias Domini
Predigttext: 1.Petrus 2. 21-25
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Liebe Gemeinde,
die Worte aus dem 1. Petrusbrief, die wir gehört haben, sind zugleich tröstlich und herausfordernd. Sie sprechen vom Leiden Christi – und von unserer Berufung, ihm nachzufolgen. Hören Sie noch einmal den Kern, diesmal in der Lutherübersetzung: „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“
Das klingt zuerst schön … bis wir erkennen, wie diese Fußstapfen aussehen. Wenn wir daran denken, Jesus nachzufolgen, stellen wir uns oft Frieden, Führung und vielleicht sogar Schutz und Segen vor. Und ja, das schenkt Christus auch. Aber hier sagt Petrus etwas Tieferes – und Schwereres: Christus hat gelitten … für Sie und zugleich … als Vorbild für Sie
Das bedeutet: Das christliche Leben ist kein Weg, der Leiden um jeden Preis vermeidet. Es ist ein Leben, das von Christus geprägt ist – auch im Leiden. Das heißt nicht, dass wir das Leiden suchen oder Ungerechtigkeit gutheißen sollen. Denn Leiden um des Leidens willen verdient nichts. Wir werden nicht dadurch gerettet, dass wir Schmerz ertragen. Das wurde oft in der Menschheitsgeschichte falsch verstanden. Gerade in der Geschichte des Christentums.
Wir werden gerettet allein durch Christus. Aber wenn Leiden kommt – und es kommt – dann sagt Petrus: Sie sind nicht allein, und Ihr Leiden ist nicht sinnlos. Bevor Christus unser Vorbild ist, ist er unser Retter. Petrus sagt es ganz klar: „Er hat unsere Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leib auf das Holz …“. Das ist der Mittelpunkt von allem.
Jesus hat uns nicht nur gezeigt, wie man gut leidet – er hat unsere Sünden getragen, unsere Schuld, unser Versagen, unsere Zerbrochenheit – bis ans Kreuz.
Das, liebe Gemeinde, ist das Evangelium. Sie werden nicht gerettet, weil Sie seinem Beispiel gut genug folgen. Sie werden gerettet, weil er Sie getragen hat, als Sie es nicht konnten.
Er war ohne Sünde: „Er hat keine Sünde getan, und kein Betrug ist in seinem Mund gefunden worden.“ Und doch stellte er sich an die Stelle der Schuldigen – an unsere Stelle.
Das ist es, was Martin Luther den fröhlichen Wechsel nannte: unsere Sünde auf ihn gelegt, seine Gerechtigkeit uns geschenkt. Darum gilt zuerst: Sie sind bereits erlöst.
Petrus beschreibt, wie Christus gelitten hat: Er hat nicht zurückgeschmäht, als er geschmäht wurde. Er hat nicht gedroht, als er litt. Er hat sich dem anvertraut, der gerecht richtet.
Die Welt sagt: Verteidigen Sie sich, schlagen Sie zurück, zeigen Sie Ihre Macht.
Christus zeigt: Vertrauen Sie Gott – selbst dann, wenn es alles kostet.
Das ist keine passive Resignation, sondern gelebter Glaube. Jesus hat sich dem Vater anvertraut. Selbst am Kreuz. Selbst dann, als alles wie Niederlage aussah.
Und nun kommt der schwierige Teil: „damit Sie seinen Fußspuren nachfolgen“. Was bedeutet das für uns? Es bedeutet: Wenn Sie Unrecht erfahren, missverstanden oder unfair behandelt werden, dann sind Sie eingeladen, anders zu reagieren, als die Welt es erwartet. Nicht, weil Sie sich dadurch das Heil verdienen müssten. Sondern weil Sie das Heil bereits empfangen haben.
Sie vergeben, weil Ihnen vergeben ist. Sie halten stand, weil Christus für Sie standgehalten hat. Sie vertrauen, weil Christus Ihre Zukunft bereits gesichert hat.
Das ist nicht leicht. Es widerspricht oft unseren Instinkten. Aber es ist die Gestalt eines Lebens, das durch Gnade verwandelt ist.
Petrus fährt fort: „Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.“ Achten Sie auf die Zeitform: sind heil geworden. Das ist Perfekt. Es ist vollbracht. Es ist nichts mehr zu tun. Nicht: „Sie werden vielleicht heil, wenn Sie sich genug anstrengen.“ Nicht: „Sie werden heil, wenn Sie gut leiden.“ Sondern: Sie sind heil geworden. Es ist schon geschehen. Das gilt schon jetzt – in Christus.
Auch wenn Ihr Körper noch schwach ist. Auch wenn Ihr Glaube noch schwach ist. Auch wenn Ihr Leben noch von Schmerzen geprägt ist. Auch wenn Ihr Herz noch Heilung braucht. Vor Gott, in Christus, sind Sie ganz. Basta.
Und dann sagt Petrus: „Denn Sie waren wie irrende Schafe; aber Sie sind nun umgekehrt zu dem Hirten und Schützer Ihrer Seelen.“ Das ist Ihre Identität: Nicht verlassen. Nicht verloren. Nicht vergessen. Sie gehören dem Hirten. Und er verliert keines seiner Schafe.
Und was bedeutet das heute für Sie? Es bedeutet:
Wenn das Leben schwer ist – Sie sind nicht allein; Christus ist diesen Weg schon gegangen
Wenn Sie leiden – Sie sind nicht verlassen; er ist bei Ihnen
Wenn Sie versagen – Sie sind nicht verdammt; er hat Ihre Schuld getragen
Wenn Sie schwach sind – Sie werden vom Hirten getragen
Und ja – es bedeutet auch:
Sie sind berufen, ihn in Ihrem Leben widerzuspiegeln.
Nicht vollkommen. Nicht ohne Kampf. Aber wahrhaftig.
Liebe Gemeinde,
Jesu Nachfolge ist keine Last, die Ihnen auf die Schultern gelegt wird.
Sie ist eine Verheißung, die Ihnen unter die Füße gelegt wird.
Christus hat gelitten für Sie.
Christus hat Sie erlöst.
Christus geht nun mit Ihnen.
Und deshalb können Sie ihm nachfolgen.
Auch durch Leiden. Auch durch Unsicherheit. Auch durch das Kreuz.
Denn auf der anderen Seite des Kreuzes steht die Auferstehung. Amen.
Gerald MacDonald
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