Predigt am 15. März 2026, Lätare
Jesaja 66, 10-14
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Liebe Gemeinde,
heute feiern wir Lätare, den Sonntag der Freude mitten in der Passionszeit. Der Name Lätare kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Freut euch“. Inmitten der stillen und nachdenklichen Wochen der Passionszeit hält die Kirche kurz inne und richtet den Blick auf die Freude, die kommen wird. Das Kreuz steht noch vor uns, aber schon beginnt das Licht von Ostern durchzuschimmern.
Unsere heutigen Lesungen sprechen von Trost, Wiederherstellung und Hoffnung mitten im Leiden.
In der Lesung aus Jesaja spricht Gott zu seinem Volk, das Verwüstung und Verlust erlebt hat. Jerusalem war zerstört worden. Das Volk hatte im Exil gelebt. Sie kannten Trauer, Enttäuschung und Unsicherheit über die Zukunft.
Und doch spricht Gott diese erstaunlichen und tröstenden Worte:
„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt … dass ihr saugen und euch sättigen möget an ihrer tröstenden Brust.“ (Jesaja 66)
Gott vergleicht seine Fürsorge sogar mit der Zärtlichkeit einer Mutter, die ihr Kind stillt und tröstet:
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“
Liebe Gemeinde, das sind bemerkenswerte Worte. Die Bibel spricht oft von Gott als Vater, König, Hirten oder gar als Her Zebaoth, Herr der Heerscharen. Doch hier zeigt Gott etwas besonders Zärtliches: Sein Erbarmen ist so sanft und nah wie der Trost einer Mutter, die ihr Kind in den Arm – oder auf die Hüfte – nimmt.
Wenn ein Kind Angst hat, verletzt ist oder überfordert – wohin geht es?
In die Arme dessen, der es liebt.
Genau dieses Bild gibt uns Gott heute. In einer Welt voller Sorgen, Leid und Unsicherheit nimmt Gott sein Volk in den Arm und tröstet es. Wie eine Mutter!
Und Jesaja sagt etwas Schönes:
„Ihr werdet es sehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Gebeine sollen grünen wie Gras.“
Gottes Trost beruhigt nicht nur die Seele – er bringt neues Leben dort, wo Schwäche war und Hoffnung dort, wo Verzweiflung war.
Der Apostel Paulus greift dieses Thema im 2. Korintherbrief auf:
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und der Gott allen Trostes.“
Und Paulus wusste, wovon er sprach.
Denn Paulus selbst kannte Leid sehr gut – Verfolgung, Gefangenschaft, Gefahr und Erschöpfung. Und doch nennt er Gott den Gott allen Trostes.
Und warum ist das?
Weil Gott uns mitten im Leiden begegnet, nicht außerhalb davon. Oder gar nachher.
Paulus schreibt: „Der uns tröstet in all unserer Bedrängnis.“
Mittendrin.
Und dieser Trost hat einen einzigen Zweck.
„Damit auch wir trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind.“
Liebe Gemeinde, Gottes Trost bleibt nie bei uns stehen.
Er fließt durch uns weiter zu anderen Menschen. Das ist ein Teil der Nächstenliebe.
Wenn wir Gottes Barmherzigkeit erfahren, werden wir zu Menschen, die diese Barmherzigkeit weitergeben.
Der Lätare-Sonntag erinnert uns an ein gewisses Muster des christlichen Lebens: Leiden – Trost – Hoffnung.
Paulus schreibt:
„Denn wie die Leiden Christi, reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.“
Beides geschieht durch Christus: Leiden und Trost.
Jesus selbst ist vollständig in das Leiden dieser Welt eingetreten. Er hat unsere Sünde, unsere Trauer und unsere Zerbrochenheit getragen. Am Kreuz hat er Verlassenheit, Schmerz und Tod erfahren.
Doch aus diesem Leiden kam Auferstehung, Sieg und Leben.
Darum ist christlicher Trost kein oberflächlicher Optimismus. Es bedeutet nicht so zu tun, als wäre alles in Ordnung.
Christlicher Trost gründet auf dieser Wahrheit:
Christus ist durch Leiden und Tod hindurchgegangen – und hat sie überwunden.
Darum hat das Leiden nicht das letzte Wort.
Und darum dürfen wir heute froh sein.
Auch wenn die Passionszeit noch weitergeht, erinnert uns Lätare Sonntag daran, dass Ostern kommt.
Der gleiche Gott, der Israel im Exil getröstet hat …
der gleiche Gott, der Paulus im Leiden getragen hat …
der gleiche Gott, der Jesus von den Toten auferweckt hat …
ist auch heute bei uns.
Wenn Ihr Herz müde ist.
Wenn Ihr Glaube schwach erscheint.
Wenn das Leben unsicher wirkt.
Bedenken Sie was Gott sagt:
„Ich will Dich trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“
Und diesen Trost hat er am deutlichsten gezeigt in Jesus Christus.
In Christus kommt Gott uns nahe.
In Christus sind unsere Sünden vergeben.
In Christus bekommt Leiden einen Sinn.
Und in Christus ist der Tod nicht das Ende.
Liebe Gemeinde, wenn Gott uns tröstet,
werden wir selbst zu Menschen, die andere trösten.
Gott stellt uns in das Leben anderer Menschen, damit sein Trost durch unsere Worte und Taten weitergegeben wird.
Manchmal geschieht Trost durch Gebet.
Manchmal durch Zuhören.
Manchmal einfach durch eine Gegenwart, die sagt:
„Du bist nicht allein.“
So wird die Kirche zu dem Ort, den Jesaja beschreibt – ein Ort, an dem Menschen gestärkt, genährt und wieder aufgerichtet werden.
Darum freut euch.
Weil Gottes Trost größer ist als unser Leid und seine Auferstehungsverheißung stärker als der Tod.
Wie Jesaja sagt:
„Ihr werdet Jerusalem sehen, und euer Herz wird sich freuen.“
Und wie Paulus sagt:
„Unsere Hoffnung für euch steht fest.“
Diese Hoffnung ist Jesus Christus – für uns gekreuzigt, für uns auferstanden und auch jetzt bei uns gegenwärtig.
Darum, liebe Schwestern und Brüder, selbst mitten in der Passionszeit:
Freut euch.
Denn der Herr ist nahe.
Und sein Trost hört niemals auf.
Amen.
Gerald MacDonald
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